Neuerscheinung: Newsflash Kunstkritik

Befasst man sich mit der Kunstkritik im digitalen Zeitalter, so erscheinen zwei Punkte als besonders wichtig: Erstens die Frage nach der Bildkultur und zweitens diejenige nach den spezifischen Qualitäten des digitalen Raumes.

 

In Bezug auf die Qualitäten der gegenwärtigen Bildkultur operiere ich mit Thesen von Arnold Gehlen. Gehlens Theorie der Bildwahrnehmung resultiert aus der Auseinandersetzung mit der Abstraktion, als deren Antipode er sich verstand. Produktiv lässt sie sich heute auf Phänomene der Internetkultur umlegen: Bedingt durch die technischen Medien zur Produktion und Reproduktion lässt sich hier ein deutlicher Rekurs zur Figuration ausmachen den sich Gehlen vielleicht gewünscht hätte. Gehlen differenziert das Wiedererkannte von den jeweiligen Konnotationen. Genau diese Varianz, die in der klassischen Malerei durch Aktualisierungen ikonographischer Motive erreicht wurde, zeichnet beispielsweise die Mem-Kultur aus. Der historische Rückblick auf Kunstzeitschriften zeigt wiederum, dass die heutige Bildkultur durchaus Vorläufer hat. Es stellt sich die Frage, ob Kunstkritik ohne Reproduktion überhaupt möglich ist.

 

Zu ihrer Entfaltung bedarf die Kunstkritik einer oder mehrerer autoritativer Positionen. Diese sind und waren an eine spezifische Medienkultur gebunden. Angesichts einer mediatisierten Mitmachkultur in den Sozialen Netzwerken verschieben sich diese Autoritäten. In vielen Fällen dominiert die Moderation, nicht die Kritik. Gleichzeitig erscheint auf diesen Kanälen durch die Interaktion und Produktion etwas möglich zu werden, was Friedrich Schlegel einst von der Kritik einforderte, nämlich, dass sie sich selbst im Idealfall in künstlerischer Form realisiere.

 

Ellen Wagner (Hg.), Newsflash Kunstkritik, Offenbach 2017, http://newsflashkunstkritik.org/wp-content/uploads/2017/09/NewsfashKunstkritik.pdf.

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