Rudolf Schlichter und die Kultur der Coolness: Proseminar, KIT Karlsruhe, WiSE 2017/18

Das Schlagwort von der Abstraktion als Weltsprache hat nicht nur die Kunst, sondern auch die zugehörige Geschichtsschreibung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachhaltig beeinflusst. Somit wird die figurative Seite der klassischen Moderne erst in den letzten Jahren sukzessive rehabilitiert. An dieser Stelle hakt die Lehrveranstaltung ein, indem sie einen regionalen Schwerpunkt auf den Südwesten Deutschlands und Karlsruhe legt.

Ausgangspunkt bildet Rudolf Schlichter, in dessen Werk sich die für die 1920er und 30er Jahre charakteristischsten Stil-Formationen herauskristallisieren. Sie reichen von Berlin-Dada über den Surrealismus, Verismus und Neue Sachlichkeit, gehen in einen neuen Traditionalismus der Anpassung an die NS-Kulturpolitik über, um schließlich in einer Art symbolistisch aufgeladenen Neo-Surrealismus zu münden. Von besonderem Interesse ist dabei Schlichters literarisches und kunsttheoretisches Schaffen, das nicht nur die eigene visuelle Praxis kommentiert, sondern darüber hinaus auch Stellung zur Lage der Kunst insgesamt bezieht.

In der Lehrveranstaltung wird Schlichters Werk auf verschiedenen Ebenen kontextualisiert. Zunächst ist sein Verhältnis zu den anderen Karlsruher Akteuren, wie den Malern Karl Hubbuch, Alexander Kanoldt, aber auch dem Kunstkritiker Wilhelm Hausenstein zu bestimmen. Es soll gefragt werden, welche Rolle der Karlsruher Akademie in Bezug auf die Entwicklung dieser neuen Gegenständlichkeit zukam. Auf überregionaler und internationaler Ebene werden die wichtigsten Einflussgeber (von di Chirico über den figurativen Picasso bis hin zu Beckmann und Dix) und Reflexe der Bewegung genauso untersucht, wie sich das Forschungsinteresse in umgekehrter Perspektive auf die zeitgenössischen Bestrebungen zu einer Historisierung und Kanonisierung der „Neuen Sachlichkeit“ richtet. In einem medial erweiterten Rahmen, der Literatur, Fotografie und Film einbezieht, spürt die Lehrveranstaltung insbesondere einer Kultur der Coolness der 1920er-Jahre nach.

EINFÜHRUNG IN DIE KUNSTGESCHICHTE: Seminar, MERZ AKADEMIE STUTTGART, WISE 2017/18

Die Veranstaltung vermittelt Grundkenntnisse der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts, die für das Verständnis der Gegenwartskunst von Bedeutung sind. Es werden anhand ausgewählter Positionen die spezifischen Fragestellungen und Anliegen der Kunst des 20. Jahrhunderts unter Berücksichtigung ihrer zeitgeschichtlichen Bezüge analysiert. Ausgangspunkt ist die Verortung der Kunst in ihrem kulturellen und gesellschaftlichen Kontext. Es soll eine kritische Bestandsaufnahme der jeweiligen ästhetischen Strategien hinsichtlich ihrer kunsttheoretischen Implikationen geleistet werden, wobei Darstellungskonventionen, Materialwahl und das sich wandelnde Selbstverständnis von Künstlern bzw. Künstlerkollektiven Beachtung findet.

Einführung in die Kunstgeschichte: Seminar, Merz Akademie Stuttgart, SoSE 2017 (Doppelkurs)

Die Veranstaltung vermittelt Grundkenntnisse der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts, die für das Verständnis der Gegenwartskunst von Bedeutung sind. Es werden anhand ausgewählter Positionen die spezifischen Fragestellungen und Anliegen der Kunst des 20. Jahrhunderts unter Berücksichtigung ihrer zeitgeschichtlichen Bezüge analysiert. Ausgangspunkt ist die Verortung der Kunst in ihrem kulturellen und gesellschaftlichen Kontext. Es soll eine kritische Bestandsaufnahme der jeweiligen ästhetischen Strategien hinsichtlich ihrer kunsttheoretischen Implikationen geleistet werden, wobei Darstellungskonventionen, Materialwahl und das sich wandelnde Selbstverständnis von Künstlern bzw. Künstlerkollektiven Beachtung findet.

Selfieness: Seminar, HfG Karlsruhe, WISE 2015/16

Antithetisch prägen die Konzepte von ‚Individuum’ und ‚Masse’ die westliche Moderne seit dem industriellen Zeitalter. In diesem Kontext steht das Phänomen ‚Selfie’, mit dem einerseits die Autonomie des Autors oder der Autorin betont wird, welches andererseits aber zugleich Gefahr läuft, im Strom der zahllosen anderen Selfies unterzugehen.

In Kooperation mit der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und der Herbst-Ausstellung „Ich bin hier! Von Rembrandt zum Selfie“ verfolgen wir die Idee des Selfie kunsthistorisch bis zum neu-zeitlichen Selbstporträt zurück. Daraus erschließen sich verschiedene übergeordnete kulturwis-senschaftliche Fragestellungen, welche zum Beispiel lauten: Welche Paradigmenwechsel führ-ten zu dieser visuellen Selbstvergewisserung bzw. Selbstermächtigung? Wie verhalten sich Handwerk und technische Apparatur in diesem Prozess zueinander?

Schwerpunktmäßig konzentrieren wir uns auf Parameter der gegenwärtigen digitalen visuellen Kultur. Dies sowohl in theoretischer Hinsicht durch Lektüre als auch durch Feldforschung sowie eigenständiges publizistisches Arbeiten in den sozialen Medien.

Trainingslager Schreibkompetenz, Übung, HfG Karlsruhe, WiSE 2014/15

Leider gerät das Schreiben im studentischen Alltag oft zum Frustfaktor. Die gute wie simple Nachricht lautet aber: Schreiben lässt sich durch Schreiben erlernen!

Das Seminar vermittelt Ihnen fundierte Kompetenzen der wissenschaftlichen Textproduktion. Das Ziel ist es, Ihnen einen souveränen Zugang zur Metakompetenz Schreiben zu ermöglichen, um wissensgenerierende Writing-to-Learn-Strategien gezielt einzusetzen. Von A (wie Aufschieberitis) bis Z (wie Zitieren) erproben wir gemeinsam die einzelnen Arbeitsschritte von der Re-chercheund Konzeptphase bis zum druckreifen Text. Individuelle Betreuung Ihrer Schreibprojek-te erhalten Sie, indem Sie eigenständig publikationsfähige Forschungs-/Projektdossiers verfassen. In einer Studierendenkonferenz präsentieren Sie Ihre Vorhaben und diskutieren diese auf Basis von Peer-Feedbacks.

Voraussetzung zur Teilnahme ist ein Schreibprojekt (Hausarbeit, Magisterarbeit, Projektantrag etc.), das im Rahmen der Lehrveranstaltung begleitet werden kann. Das Seminar richtet sich explizit auch an Studierende der künstlerischen Fächer.

Moderne Kultur Kritik, Seminar, HfG Karlsruhe,  SoSE 2014

Mit der Veröffentlichung von „Verlust der Mitte“ (1948), einer Krankengeschichte der modernen Kunst, befeuert der Wiener Kunsthistoriker Hans Sedlmayr maßgeblich die Nachkriegs-Debatte um das ‚Menschenbild’. Dieser Kampfterminus dient um 1950 dazu, die abstrakte gegen die figu-rative Kunst neuerlich auszuspielen. Damit erfährt nicht nur die NS-Kunstpolitik — wie sie sich in der Münchner Femeschau „Entartete Kunst“ 1937 manifestierte — eine Fortsetzung, sondern die Diskussion schließt auch an jene Kulturkämpfe an, die seit Ende des 19. Jahrhunderts um die vermeintlich richtige Art der Kunstausübung geführt wurden.

Im Rahmen des Seminars werden wir Sedlmayrs Attacke gegen die Moderne im Kontext Ge-schichte der deutschsprachigen Kunstkritik verstehen lernen. Da sich beispielsweise ein aktuel-ler Boom der Kulturkritik als eminenter Bestandteil der kuratorischen Konzepte etwa der documenta 13, als auch der 55. Biennale di Venezia beobachten lässt, ist ergänzend dazu zu fragen, inwieweit kulturkritische Implikationen Movens für vergangene und gegenwärtige Kunstpraxen waren und sind.